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Buntes Treiben mit vielen Motorrädern und Menschen an einem Hafen am Wasser.

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Austausch Anlasser Freilauf

Info Hans: Austausch Anlasser Freilauf

Für alle die sich das trauen!

Problem:
Das Motorrad springt unwillig an, zunehmend schlechter wenn der Motor warm ist. Dabei treten „schabende“ Geräusche auf. Anschieben geht dagegen ohne Probleme. Das ganze wird im Laufe der Zeit zunehmend schlimmer. Gleichzeitig ist festzustellen, dass die Batterie fast immer leer ist, egal wie oft und wie lang man gefahren ist. Selbst wenn die Batterie noch nahezu neu ist (ich habe die letzten Jahre jedes Jahr eine neue Batterie gekauft, da die ständig kaputt ging). Es ist fast immer Starthilfe notwendig, die aber zunehmend auch nichts mehr bringt bis schließlich außer schabenden Geräuschen nichts mehr passiert – es sei denn man schiebt sie an. (Ich kann mich noch erinnern, dass meine CBR seit meinem Gebrauchtkauf `93 auch noch nach Standzeiten von 4-8 Wochen ohne irgendwelche Vorkehrungen (Batterie abhängen/aufladen) und ewiges „rumgeorgel“ problemlos ansprang, wohingegen zuletzt 1-2 Wochen Standzeit ohne Starthilfe trotz fast neuer Batterie nicht möglich waren. Jetzt geht nun gar nichts mehr, trotz Starthilfe. Die Elektrik habe ich auch überprüft: keine Leckströme, ausreichend gute Ladespannung.

Ursache:
Der Dämpfer auf der Lichtmaschinenwelle ist verschlissen (nein, nicht der Freilauf, obwohl ich den vorsichtshalber mit getauscht habe). Zur Erläuterung: Der Anlasser ist über den Freilauf ständig mit der Lichtmaschinenwelle „verbunden“. Wird der Motor gestartet, „schubst“ der Anlasser über den Freilauf (eine Art Fliehkraftkupplung) den Motor an. Sobald dieser von alleine läuft und der Starterknopf losgelassen wird, wirkt der „Freilauf“, wodurch sich der Anlasser nicht mehr mit dreht (der würde sich wohl ansonsten bei den dann hohen Motordrehzahlen im Fahrbetrieb in die ewigen Jagdgründe verabschieden). Und bereits beim Starten kommt alles auf den Lichtmaschinenwellendämpfer an. Der Dämpfer steckt einerseits auf der Welle, andererseits ist auf dem Ritzel des Dämpfers die Kette zur Kurbelwelle! Und nun schaut Euch mal den zerlegten Dämpfer an:

Abbildung 1
Zerlegte Lichtmaschinenwellenkupplung (Dämpfer), von oben nach unten/von links nach rechts: 1x Sicherungsring, 3x Druckscheiben (sind durchgewölbt), je 7x Metall- und Kupplungsscheiben (Man sieht vor allem bei den Metallscheiben in der mittleren Reihe die dunkle „Laufspur“. Die Kupplungsscheibe dazwischen war die mit nur noch 1,4mm.), 1x Innenkorb (sitzt auf der Welle), 1x Außenkorb (über das Ritzel und eine Kette ist hier die Verbindung zur Kurbelwelle).

Also wie man sieht, ist der Dämpfer wie eine Kupplung aufgebaut (immer abwechselnd Metallscheibe und Reibscheibe (7x)). Laut Werkstattbuch sollen die (Reib-)Scheiben jeweils 1,8mm dick sein. Bei mir waren die zwischen 1,4-1,6mm! Und nun ist ja klar was passiert – die rutscht zunehmend durch. Und das klingt natürlich entsprechend. Und nun wird noch was anderes klar: Läuft der Motor, treibt dieser wiederum die Lichtmaschinenwelle an. Mit verschlissenem Dämpfer natürlich nicht besonders zuverlässig, weswegen die Lichtmaschine nicht (immer) ausreichend Saft für die Batterie liefert. Deswegen ist die überwiegend überfordert (man fährt ja schließlich immer mit Licht) und hat zunehmend weniger Lust beim Anlassen (wird vermutlich auch oft zu warm, da ich auch ständig Wasser nachfüllen musste – was aber auch nicht viel nützte). Und noch ein weiterer Hinweis auf einen verschlissenen Dämpfer: Man spürt mehr Vibrationen (im Lenker) und fragt sich: „War das früher auch so?“ – nein, das ist mir nach der Reparatur aufgefallen, weil das natürlich ein plötzlicher Wechsel war, während die Verschlechterung schleichend kam.

Beseitigung: Variante A (kann man überlesen):
Man geht zum Honda-Händler. Dort erfährt man mit einem breiten Grinsen: wirtschaftlicher Totalschaden. Laut Honda-Werkstatthandbuch: Motor ausbauen und zerlegen, dann noch die Teile – macht ca. 2000,-€, eher mehr. Für die Hälfte soll man bereits gebrauchte Motoren bekommen. Aber wie ist deren allgemeiner Zustand? Und was ist wenn der auch (demnächst) einen verschlissenen Dämpfer hat? Nichts für mich – ab ins Internet. Dort stoße ich mit Hilfe einer Suchmaschine auf den Suchbegriff „Freilauf“ (bis dato hatte ich den Dämpfer auch noch nicht berücksichtigt – erst beim Zerlegen habe ich mich gefragt für was der eigentlich da ist, da ich bei meinem ausgebauten Freilauf keine Fehlfunktion feststellen konnte).

Variante B:
Dämpfer tauschen ohne Motorausbau und Motorrad normal auf dem Hauptständer stehend. Was man braucht:

  • Etwas Mut, Zuversicht und (falls man wie ich verheiratet ist) eine verständige Frau – die sieht einen nämlich erst mal nicht mehr so oft (auch nachts nicht).

  • „haushaltsübliches“ Motorradwerkzeug, auf jeden Fall aber für den Zusammenbau Drehmomentschlüssel und evtl. Gewindeschneider (bei mir sind zwei von 3 Schrauben abgebrochen, als ich die Lichtmaschine abgeschraubt habe. Zum Glück ließ sich die Lichtmaschinenbasis problemlos abschrauben, sodass ich die dann in einen Schraubstock einklemmen, die Schraubenstümpfe ausbohren und das Gewinde nachschneiden konnte).

  • Werkstattbuch (z.B. Reparaturanleitung Band 5099 vom bucheli-Verlag, ISBN: 3-7168-1788-0 oder/und das Original-Werkstattbuch als Leihgabe vom freundlichen Honda-Händler).

  • Motoröl und Ölfilter

  • Wasser und Kühlerschutzmittel (oder abgelassenes wenn noch ok wieder einfüllen und Fehlmenge nachfüllen)

  • 4 Auslassdichtungen (Krümmerdichtungen)

  • 2 Schalldämpferdichtungen (zwischen vor- und Endschalldämpfer)

  • ggf. Kupferpaste (damit Schrauben die extremer Hitze ausgesetzt sind sich möglichst nicht festsetzten)

  • Dämpfer

  • ggf. Anlasserkupplung und Abtriebsrad

  • Ölwannendichtung (Ist bei mir mehrfach gerissen und mal am Motor oder an der Ölwanne kleben geblieben – viel Spaß beim Abkratzen. Und schön aufpassen, dass keine Riefen oder Kerben in den Dichtungsflächen entstehen!)

  • ggf. Ersatz für die abgebrochenen Schrauben

Was demontiert werden muss (Die (De-)Montage habe ich bis auf wenige Ausnahmen/Details nicht beschrieben - das würde den Rahmen sprengen. Bitte laut Werkstatt-/Reparaturbuch vorgehen.):

  • Sitzbank

  • Tank (Achtung: Schläuche und Kabel zuvor entfernen)

  • Seiten- und Bauchverkleidungen (auch die über den Fußrasten)

  • Abdeckungen links und rechts im Cockpit (Sicherungen und Kühlflüssigkeitsdeckel)

  • Endschalldämpferverkleidungen

  • Öl ablassen

  • Kühlflüssigkeit ablassen

  • Wasserkühler

  • Linker und rechter Endschalltopf

  • Krümmer mit Vorschalldämpfer

  • Batterie

  • Vergaser (Achtung: Bowdenzüge und Schläuche zuvor entfernen)

  • Luftfiltergehäuse

  • Anlasser

  • Schalthebel

  • Kettenritzelabdeckung

  • Lichtmaschinenwellenschraubenabdeckung (siehe Abbildung 2 – bereits entfernt)

  • Lichtmaschinenwellenschraube (dazu Lichtmaschine blockieren mit einem großen/stabilen Schraubendreher oder Ratschenverlängerung,... geht zu zweit besser, da die Wellenschraube durch ihren verdeckten Einbau nur geringe Schraubwege zulässt. Am besten verschiedene Gabel-(Ring-)Schlüssel gerade/gekröpft zurechtlegen.)

  • Lichtmaschine (dabei sind mir 2 von 3 Schrauben abgebrochen, da eingeklebt, siehe oben)

  • Lichtmaschinenbasis

  • Ölwanne (noch mindestens einen Tag drunter stehen lassen – da tropft noch `ne Menge Öl nach und wir müssen uns da später drunter legen!)

  • Ölpumpe (um den Kettenspanner zu entspannen / Achtung: bei der Demontage der Ölpumpe müssen 2 kleinere und eine größere Distanzhülsen mit rausfallen oder irgendwo stecken – beim Einbau auf richtige Position/Lage achten! Siehe Abbildung 5)

Das sieht dann ungefähr so aus (Abb.3+4):

Also mit dem Zerlegen hat alles wunderbar geklappt - und dabei steht das Motorrad ganz normal auf dem Hauptständer. Damit mir bei der Demontage der Welle nichts in den Motor fallen konnte, habe ich vor Lösen der Wellenschraube einen starken aber dennoch biegbaren (Blumen-)Draht durch die Schraube in die Welle gesteckt und beim rausziehen der Welle mit nachgeschoben - aber da gab es gar nichts zum abstürzen. Es kam alles bis auf den Dämpfer mit raus, weswegen die Kette auch nicht in das Kurbelgehäuse rutschen konnte, da diese auf dem Ritzel des Dämpfers liegt. Man kann sich also den Draht in der Welle sparen.

So nun hatte ich den Freilauf vor mir ... lässt sich in die eine Richtung frei drehen (hakt leicht bei jeder Umdrehung einmal), in die andere nimmt er die Welle mit - sollte das nun wirklich der Übeltäter sein? Da stand doch was in den Reparaturbüchern (ich habe zwei: eines aus dem Buchhandel und eine Kopie des Originals - hatte mir mein freundlicher Honda Händler zur Verfügung gestellt): Dämpfer tauschen, wenn Anlasser Geräusche - und genau die habe ich ja. Also Dämpfer raus. Dazu muss als erstes die Kette entspannt werden.

Sicherlich wäre es angenehmer gewesen eine Hebebühne zu haben, denn zum Entspannen des Kettenspanners ging wirklich die meiste Zeit drauf - und da immer unter den Motor zu kriechen... . Auf jeden Fall war es gut, dass ich die Ölwanne schon 1-2 Tage ab hatte, da konnte das restliche Öl aus dem Motor richtig abtropfen und ich konnte meinen Kopf drunter stecken ohne vollgetropft zu werden. Endgültige Klarheit zum Entspannen des Kettenspanners (den man durch die Ölwanne, hinter der dort normalerweise sitzenden Ölpumpe sieht) brachte der Blick mit einem "Zahnarztspiegel" den man als Radio-Fernsehtechniker so hat (und auf vielen Bastlermessen erwerben kann). Da habe ich nämlich gesehen, dass man in das Loch (welches viereckig ist und direkt über der Feder sitzt) nicht einfach "reinstechen", sondern unter das Metallteil, welches man in diesem Loch sieht, drunter fahren und anheben muss! Nun kann man den Spanner Stempel, der auf die Kette drückt durch das Loch der Lima erreichen, und mit den Fingern zurückdrücken und zwar so weit, dass ein Draht (Blumendraht max. 2mm dick) in ein Loch, an der Stelle die jetzt am Spannerstift frei wird, rein gesteckt werden kann (siehe Abb.5).

Abbildung 5

Blick auf Kettenspanner (Ölwanne und Ölpumpe ausgebaut) 1: Auf dieser Seite ist ein Loch, in dem man mit einem abgewinkelten (kleinen) Schraubendreher einen Metallbolzen nach oben drücken muss (gegen die Feder – mit abgewinkeltem (Zahnarzt-)Spiegel gut zu erkennen). Dabei durch das „Lima-Loch“ mit der Hand den Kettenspannerstempel nach unten drücken, wodurch der „Spannstift“ 2 rauskommt. Soweit rausdrücken, bis seitlich ein Loch sichtbar wird, wo man einen 2mm Draht rein steckt, damit der Spanner entspannt bleibt. (An Pos.3-5 gehören die Distanzhülsen von der Demontage der Ölpumpe hin!).

Und nun zum Dämpfer. Das war auch eine ziemliche Fummelei, da die Kette ziemlich breit und dadurch unbeweglich ist und der Dämpfer nach der Kette ja dicker ist. Aber auch der ging irgendwann gewaltfrei raus!

Abbildung 6
Blick in das „Lima-Loch“ (1-Anlasserübersetzungsritzel, 2-Lichtmaschinenantriebskette, 3-Dämpfer (Lichtmaschinenwellenkupplung), 4-Lichtmaschinenkettenspanner)

Nun muss die Kette vom Dämpfer. Das ist auch nicht ganz ohne, da die Kette auch im entspannten Zustand nicht viel Spiel hat, da sie auch recht breit ist. Außerdem stört der Kettenspanner ziemlich, wie man im Bild sehen kann (leider geht der nicht ohne weiteres auszubauen!). Aber mit viel Geduld und immer ohne Gewalt!!!! hat man die Kette mit Dämpfer irgendwann vor dem Spanner (siehe Abb.7-10). Nun muss sie vom Dämpfer runter, legt sie jetzt vor den Kettenspanner und kann den Dämpfer entnehmen – geschafft (hat bei mir ca. 20 Minuten gedauert und ist ein reines probieren: Dämpfer in diese Richtung drücken, Kette in die Richtung ziehen, wieder lockern, dort hin drücken, dahin ziehen, wieder verspannt, erneut lockern,.... und auf einmal geht’s. Dieses Geduldsspiel geht beim Einbau von neuem los!). Vor allem auch beim schieben der Kette über den Kettenspanner sehr vorsichtig sein, da die Kettenglieder am Spanner immer wieder „einrasten“ (siehe Abb.7) – nicht dass die Kette beschädigt wird und deswegen getauscht werden muss!

Den Dämpfer habe ich dann zerlegt. Ist vom Aufbau wie die normale Kupplung gemacht mit lauter Reib- und Metallscheiben (siehe Abb.1). Laut Rep.-buch sollen die Reibscheiben alle mind. 1,8mm dick sein. Meine waren jedoch alle nur 1,6mm dick, eine sogar nur 1,4. Und es war jede Menge Abrieb im Kupplungskorb zu sehen, bei der dünnsten Scheibe sind sogar in den dazugehörigen Metallscheiben richtige Riefen drin. Und nun ist auch die Funktion dieses Dämpfers klar - wenn die Kupplung durchrutscht wird die Kurbelwelle nicht mehr mitgenommen!

Hier noch eine Explosionszeichnung der Lima-Wellen-Teile (Abb.11):

Abbildung 11
1=Lima-Basis 10=/

Dann bin ich zum Hondahändler und habe für ca. 500,-€ Material bestellt:

  • Dämpfer

  • Freilauf mit Nadellager und Anlasserabtriebsrad (da auch hier Riefen im Lagerbereich – war wahrscheinlich nicht unbedingt notwendig, vor allem angesichts des Preises (zusammen ca. 318,-€), andererseits wollte ich nicht unbedingt alles noch mal auseinandernehmen)

  • 2 Imbusschrauben für den Lichtmaschinenkopf (2 von den 3 sind beim rausdrehen abgebrochen, da sie mit Schraubensicherung versehen waren - habe ich bereits ausgebohrt und wieder nachgeschnitten, siehe oben)

  • Ölwannendichtung

  • 4 Krümmerdichtungen

  • 2Schalldämpferdichtungen

  • Öl und Ölfilter

  • Weitere Kleinteile

Die Teile waren innerhalb weniger Tage da und nun ging es wieder an den Zusammenbau. Oberstes Gebot: Geduld beim Einbau des Dämpfers und Aufziehen der Kette! Beim Reinschieben der Limawelle muss das Gewinde unter dem Starter wieder rausschauen und direkt im letzten Moment des Reinschiebens müssen die Zahnräder des Starters mit dem Freilauf ineinander rutschen. Ggf. einfach das Zahnrad von der Starterseite aus etwas drehen. Jetzt die Wellenschraube wieder befestigen und den (Blumen-)Draht wieder rausziehen damit sich die Kette wieder spannt. Die restlichen Teile wieder montieren, Flüssigkeiten wieder einfüllen und starten – geht wieder toll, oder?!?!

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